#14 Türkei

Ich habe mich tierisch auf die Türkei gefreut und konnte es kaum erwarten. Ich hatte keine Ahnung was auf mich zu kommt, wie die Landschaft aussieht, ich wusste nur, dass die Menschen unheimlich nett sind (mal wieder ein Land mit netten Menschen 😀 )

Stempel erhalten und los ging es Richtung Ipsala.

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In meiner ersten Stadt in der Türkei war der erster Eindruck: viele Rollerfahrer, bisschen chaotischer Verkehr, noch mehr Gehupe. Das Hupen ist nicht negativ gemeint, damit signalisiert man nur: ICH KOMME.
Mein Herz klopfte und ich hatte von nichts eine Ahnung. Ich wusste nur, dass gerade Ramadan war. Ich wusste nicht mal, ob ich was zu Essen kriege, ob ich jetzt was essen darf, allein aus Respekt, absolut nichts.
Ich hob erstmal Geld ab und sah, dass einige Türken doch was essen und kurze Zeit später fand ich eine kleine Bude, die mir Brot mit Fleisch verkauft hat. Dazu trank ich Ayran (das, was ich seitdem jeden Tag trinke). Wir gingen kurz noch ein wenig Obst einkaufen und sahen, dass die Preise zum Glück nicht auf EURO-Niveau sind.

In der Nähe war ein Markt, den ich kurz besichtigte. Viel Kleidung wurde verkauft, ähnlich wie auf deutschen Flohmärkten. Dann ging ich in einen Gang hinein und staunte nicht schlecht: Nur Obst- und Gemüse-Händler, alles mögliche, tollste Gerüche, wie im Paradies! Ich ging einen anderen Weg zurück an Tischen mit verschiedensten Käse- und Olivensorten vorbei. Ich bin fast umgefallen vor Freude. Seit dem konnte ich mein Grinsen an diesem Tag kaum mehr wegkriegen, dazu später noch mehr. Ich ging zurück zum Fahrrad und kurz darauf fuhren wir los.

Michael ließ kurz das Fahrrad draußen stehen und guckte dann erstaunt auf sein Tacho
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Wir entschieden uns nicht nach Instanbul zu fahren, sondern nach Enez, um wieder am Meer zu sein und uns was anzuschauen. Nach ca. 20 km, als wir an einer Tankstelle Rast machten, da die Hitze doch schon zu spüren war und wir irgendwie schwere Beine hatten, entschieden wir uns spontan nach Erikli ans Meer zu fahren.

Die Route führte uns erstmal über staubige Schotterwege an Reisanbau-Kanälen entlang, wo man hin und wieder Ziegenhirten traf.

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Der Durst war schon groß und an einem Häuschen fragten wir nach Wasser und erhielten gleich Eiswasser in der Flasche. WOW! Auf die Hunde mussten wir bis dahin immer wieder achten, aber normalerweise liefen die nur bellend neben einem her, keiner hat bisher versucht zu beißen.

Einen kleinen Hügel hoch ging es über eine steppenartige Landschaft Richtung Berge.

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An den ersten kleinen Dörfern vorbei bis es immer bergiger wurde, leider immer noch auf staubigem Schotterweg.

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Trotz der ganzen Anstrengung konnte ich mein Grinsen immer noch nicht wegkriegen, ich war sowas von begeistert und überglücklich hier zu sein. Ich war sehr gut gelaunt.

Wir nutzen auch jeden Wasserkran, den wir unterwegs fanden, um uns abzukühlen und die Wasservorräte aufzufüllen.
Als wir dann einen kleinen Hügel runterfuhren, fuhr ich leider in einen kleinen Sandhaufen rein, da mir ein Auto entgegen kam. Schon lag ich im Schotter. Außer ein paar kleinen Schürfwunden am Ellenbogen war alles ok. Bisschen Dreck tut dem Körper ja gut 🙂 War aber immer noch am grinsen vor Begeisterung.

Langsam wurde es dunkler und das Meer war immer noch einige Kilometer entfernt und es ging immer wieder ein wenig hoch und runter, von 50 m auf 200 m. Das liest sich wenig, aber wenn man fast 100 km hinter sich hat und noch Gepäck, kann das viel sein. Dafür hatten wir auch wunderschöne Aussichten.

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Dann endlich unten am Meer angekommen, gingen wir ein wenig einkaufen und später an den Strand direkt schlafen. Das Grinsen war dann auch weg, da ich schlafen musste. Meine Wangen taten ein wenig weh 😀

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An diesem Tag machten wir ca. 107 km.
Wir blieben auch am nächsten Tag hier, um uns umzuschauen, etwas zu essen und einfach ein wenig auszuruhen. Es ist ein türkischer Urlaubsort, fast alle sprachen türkisch. Wir tranken den türkischen Tee Çay, aßen einiges, genossen die Sonne und beschlossen noch am selben Tag nach Çanakkale zu fahren. Es wären ca. 2 Tage Reise, am 1. Tag würden wir wenig fahren, am nächsten den Rest bis Eceabat, dann mit der Fähre von der Halbinsel runter.

Die Route führte uns über bergige und steinige Landschaften, wo wir wieder am Strand einen wunderschönen Schlafplatz fanden.

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Mein Grinsen war zum Teil aber weg, dafür war die Freude nur noch im Inneren. Ich war die ganze Zeit sehr glücklich und habe mich in das Land direkt verliebt. Vielleicht lag es auch an der Fremde, ich weiß es nicht.

In einem Dorf, wo wir was zum Essen bestellen wollten, wussten wir nicht, ob wir endlich was bestellt haben oder nicht. Wir sprachen mit jemanden, der uns auf türkisch sagte, was das ist. Wir dachten, wir hätten das Essen bestellt. Aber es war nur ein netter Gast. Also mussten wir das Essen bei verschiedenen Leuten insgesamt 3x bestellen und wir hofften am Ende, das wir auch das richtige kriegen würden 😀

Später unterwegs an Ruinen aus dem 1. Weltkrieg entlang, durch Dörfer, über Schotterwege, bis wir an einen Ort kamen, der schlimmer kaum sein kann:

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Bei einer Videoaufnahme, während ich eine Straße runter fuhr, erwischte ich ein Schlagloch, verlor die Kontrolle und lag wieder da. Alles sogar auf Video. Mir ist nichts passiert, da ich eher langsamer fuhr, wegen der Löcher halt.

Was für ein „Strand“, mehr Menschen als Platz 😀
Zum Glück fuhren wir nur durch den Ort durch.

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Kurz vor Eceabat suchten wir einen Schlafplatz, damit wir ein wenig früher in Çanakkale sein würden. Dort würden wir dann in ein Hostel oder Guest House gehen und auch mal normal duschen. Wir suchten einen Platz in der Nähe eines Strandes, der nicht gerade einladend aussah, da dort Müll herum schwamm.
Dort war eine kleine Weide und das war unser Lager.

Hier sitze ich auf der Wiese.
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In Eceabat recht früh angekommen, nahmen wir die Fähre und schon waren wir kurze Zeit später in Çanakkale auf der Suche nach WIFI um ein Hostel zu finden. Leider war Wochenende und wir fanden ein Hostel mit einem 16-Bett-Zimmer, wo schon ca. 6 Leute waren. Wir schauten uns die Stadt ein wenig an und suchten das einzige vegetarische Restaurant, zwischen all den Kebab-Buden. Leider sind die Pleite gegangen. Also mussten wir Fleisch essen (Michael ist Vegetarier, leider musste er auch dadurch). Die Suche war im halben Zentrum also erfolglos, eine Kebab-Bude neben der anderen. Dann entdeckten wir die andere Hälfte, Pizzerien, Fischbuden, Nudeln, etc. 😀

Wir wollte nur einen Tag bleiben und uns dann Richtung Istanbul auf dem Weg machen. Die Fahrt würde 2 Tage dauern (ca. 160 km bis zur Fähre in Bandırma) In Istanbul könnten wir dann bei einem alten guten Freund von mir übernachten.

Morgens machten wir uns startklar. Die erste Route würde über Nebenstraßen und Dörfer führen, am darauffolgenden Tag über eine Autobahn.

Wir fuhren so daher, als uns ein Herr von der Straße holte und uns aus seinem Garten einen Beutel Pfirsiche und Wasser gab. Ach so, mein grinsen, naja, war halt wieder oder doch immer noch da? 😀

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Über zauberhafte Landschaften ging die Route, es war alles einfach so toll, es ist schwer so was in Worte zu fassen.

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Dann machten wir kurz Rast als wenige Minuten darauf einige ältere Herren sich auch auf die Bänke für den Çay setzten. Direkt unterhielten wir uns und bekamen ebenfalls Çay zu Trinken. Glücklich fuhren wir weiter, bis wir uns dann bei Biga (nach 96 km) auf einer Weide breit machten.

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Später ging es dann auf die letzten ca. 70 km über die Schnellstraße Richtung Bandırma, wo wir um 18:30 Uhr unsere Fähre nach Istanbul nehmen wollten. An einem Cafe wurden wir noch von einem US-Amerikanischen Radfahrer eingeladen. Wir hatten ein nettes Gespräch (mein Englisch MUSS bald mal besser werden, blöd wenn man nicht alles sagen kann, was man will).

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Es ging dann später auf die Fähre, dann nach Istanbul, wo mein Kollege Cem schon auf uns wartete.

Es finden hier auch bald Wahlen statt. Immer wieder stehen plakatierte Autos mit sehr lauter Musik, die Texte über ihre Politiker erhalten, Leute klatschen dabei, etc. Eben anders als in Deutschland.
Die Musik ist dabei wirklich sehr sehr laut und die Bassboxen kurz vorm kaputt gehen.

Die erste Zeit in der Türkei war für mich sensationell. Ich bin so was von begeistert, es freut mich hier einfach alles, die Menschen, Landschaften, Städte, Dörfer, Kultur, Architektur, alles irgendwie. Ich bin echt froh hier zu sein. Aber ich habe nur einen Bruchteil gesehen. Die Vorstellung davon, was mich noch in Istanbul erwarten wird, haut mich richtig um. Meine Begeisterung wird immer größer, einer der schönsten Orte, obwohl ich kein Stadtliebhaber bin.

6 thoughts to “#14 Türkei”

  1. Ja, Chanakale bin ich schon ein paar Mal mit der Fähre rüber und kann mich noch an einem leckeren Esstand erinnern. Auch die andere Fähre rüber nach Istanbul kenn ich. Beim ersten Mal war ich auch von der Freundlichkeit überrascht, besonders auf den Dörfern. Freut mich das es dir so gut gefällt. Viel Spaß noch, wir hören voneinander.

    1. Es ist halt noch der Anfang, wir haben uns viele sehr schöne Orte in der Türkei rausgesucht. Wir fahren nicht einfach nur durch. Ich freue mich schon unheimlich. Doch wir müssen auf die Iran-Visen warten und sind in Istanbul gebunden.

      Gruß nach Deutschland!

  2. Grüße aus Leipzig! Heute mache ich hier n zwischenstop. Jetzt fahr ich los um mir n Trekking-Zelt zu kaufen um ab morgen dann 10 Tage on Tour zu sein. Freu mich riesig 🙂
    Und ja Schildkrötenbabys!!! Gibt es sinnvollerer Babys auf diesem Planeten??? (rethorisch ^^)
    Die erdenklich besten Grüße 😀

    Dein Bro

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