#19 – Iran, Dschungel, Eindrücke und Menschen

Nun ist also der Iran dran, mit Deutschland zusammen das 12. Land meiner Reise.
Da die Grenze renoviert wird, empfand ich die Baustellenhäuser, die als Büro dienen und die überall anstehenden Menschen als sehr chaotisch. Es liefen einige nervende Kinder herum, die respektlos Geld und immer wieder an die Räder wollten. Während Michael die Stempel holte, spielte ich halt Aufpasser. Mehrmals wollten Leute auch Dollar wechseln, ich musste jedes Mal ablehnen. Da Mittagspause war, dauerte die Prozedur insgesamt vielleicht 1 Stunde.
Dann waren wir endlich im Iran! Wir machten kurz nach der Grenze erst einmal Rast und aßen etwas. Es kam ein Auto vorbei mit einigen Leuten, die dort auch ihre Siesta halten wollten. Nach einer kurzen Unterhaltung hatten wir in Urmia einen Schlafplatz, der uns von einem Arbeiter, der deutsch sprach, angeboten wurde.
Wir fuhren weiter durch ein wunderschönes Tal, an einem Fluss entlang, mit Haarnadelkurven, als wir 20 min später angehalten wurden. Eine Frau wollte ein Foto mit uns und gab gleich ihre Telefonnummer raus. Falls wir in Teheran Probleme hätten, einfach anrufen. Sie sprach fließend englisch.

WOW, das soll der Iran sein? So nett die Menschen?

Einige km weiter gab es den ersten Çay Tee. Siehe da, die Teebecher sind größer! Wir hofften, dass sie kein Geld für den Çay haben wollten, wir hatten nämlich nichts. War aber kostenlos zum Glück.
Interessent sind auch die riesigen Schilder mit u. a. „USA is the real terrorist.“

Schlafplatz suchen war angesagt.

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Wir schliefen auf einem Feld. Am Morgen gab es von einem Studenten, der auf dem Feld nebenan arbeiten wollte, Tee. Frühstück bot er uns ebenfalls an, wir lehnten aber ab, waren schon voll.

Wir fuhren nach Khoy. Uns fiel direkt auf, dass zwischen dem Bürgersteig und der Straße ein 30 bis 40 cm breiter und 50 cm tiefer Kanal war. Mit dem Rad nicht gerade toll. Ab und zu ist da eine Brücke oder ein Steg.
Der Verkehr, naja, quetschen, drücken, hupen, aus zwei spurig wird mal drei spurig und der Stärkere gewinnt. Zum Glück lassen die Autofahrer schon mal die Fahrräder durch.

Wir wollten Geld wechseln, da die Banken nicht an die internationalen Gelder, oder so ähnlich, angebunden sind. Wir hatten also Dollar aus der Türkei.
Die Währung hier ist sehr gewöhnungsbedürftig. Also, wir wechselten zum Kurs 1 Dollar = ca. 110.000 RIA. Doch die Preise werden selten in RIA angezeigt. Nur in Banken halt. Es gibt eine nicht physikalische Währung, die nennt sich Toman. Da wird einfach eine Null gestrichen. Also ist ein Dollar ca. 11.000 Toman wert. Wenn etwas also 20.000 Toman kostet, bezahlt man 200.000 RIA. Nun sagen auch viele, das kostet 3 Toman. Das wiederum wären 30.000 Toman. Es wird noch verkürzt.

Mit einigen Millionen gingen wir aus der Wechselstube. Schon gabs den nächsten Çay.

Wir besorgten uns SIM Karten für umgerechnet ungefähr 2 Dollar, mit 9 GB Volumen. Ich musste dabei meine Fingerabdrücke abgeben. Natürlich war auch der Vorname meines Vaters sehr wichtig.
Wir aßen dann eine Pizza. Michael bestellte sich eine ohne Fleisch, also bekam er eine mit Würstchen. Vegetarisch essen scheint hier schwierig für ihn zu werden.
Da ich tierische Kopfschmerzen wegen meinem Schnupfen hatte, ging es in den Park. Ich habe einfach Ruhe gebraucht. Jemand brachte uns Tee und Zucker. Doch wie rührt man das ohne Löffel?
Einige Tage später sah ich die Antwort : Zuckerwürfel in den Mund, dann Tee trinken.

Es ging raus aus Khoy, wo wir auf einem kleinen Feld unsere Zelte aufschlugen.

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Es ging am nächsten Tag nach Salmas, wo wir was essen wollten. Kurz in die Stadt rein, und schon saßen wir mit einigen Arbeitern beim Tee auf der Wiese.
Eine Einladung zum Essen haben wir akzeptiert, da man aber einigen die Armut ansah, beließen wir es bei einem Salat.

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Bunte Moscheen im Iran, oft auch goldfarben
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Da Feiertag war, war nur ein Fastfood Laden offen, wo wir essen gehen konnten. Vor dem Laden wurden wir fotografiert, im Laden von fast allen Mitarbeitern angesprochen und ließen ca. 20 Selfies aus jeder Position machen.

Im Park, wo wir kurz Ruhe haben wollten, sprach uns erst einmal eine Frau an, dann ihr Vater, mit dem wir ein tolles langes Gespräch auf englisch hatten. Die ersten Eindrücke aus dem Leben im Iran.
Das erzähle ich aber nach und nach.

Als wir aus Salmas raus wollten, wurden wir auf der Straße von Melonenverkäufern zum Essen eingeladen. Erst Melone gegessen, dann Fladenbrot und Tomaten und Gurken. Natürlich auch Çay.

Nebenan viel ein Auto in den Kanal am Straßenrand.

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Die Verkäufer sagten, da drüben sei ein Park, dort sollten wir zelten und morgen zum Frühstück kommen. Es sprach keiner Englisch, man redete mit Händen und Füßen.

Gesagt, getan. Es gab noch 2 heiße hart gekochte Eier und einen sehr leckeren weißen Käse. Dazu noch Melonen für die Reise als Geschenk. Tolle Menschen!

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Uns wurde empfohlen nicht nach Urmia zu fahren, wohin wir am ersten Tag eine Einladung erhalten hatten. Die Stadt hätte zwar eine alte Kirche, mehr aber nicht. Wir sollten besser direkt nach Tabriz weiter.

Unterwegs machten wir unter einem Baum Rast. Als wir weiter fuhren, stand ein Auto am Straßenrand. Dann stieg dort eine Familie aus, die Leute breiteten direkt am Bach eine Decke aus und luden uns ein. Sie warteten 20 min auf uns. Sie breiteten ihr Essen aus und wir unterhielten uns auf englisch. Sie wollten einfach mit uns reden. Sie gaben uns noch Obst für unterwegs.

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Einige Kilometer weiter hielt ein Auto vor uns an und es gab noch mehr Obst. Unsere Taschen waren randvoll!

Oft werden Fragen gestellt: was man in Europa vom Iran hält, wie man selbst den Iran findet, welche Arbeit man hat. Fragen über die Familie und gerne werden Fotos gezeigt.

Die Iraner picknicken genau wie die Türken sehr gerne. Decke oder Teppich, Grill und die ganze Familie isst gemeinsam.

Oft essen wir hier heißes Brot, direkt aus dem Ofen. Manchmal aus dem Steinofen, wo dann ein paar Steine vom Brot abgeklopft werden müssen.
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Dazu weißen Käse, Tomaten, Honig etc. Oder Schlagsahne mit Honig, WOW!

Am nächsten Tag wollte ich frisches Brot holen und es wurde uns geschenkt. Dazu gab es noch einen Çay, ein paar hundert Meter weiter noch mehr Obst. Immer wieder halten Autos an, weil sich die Leute darin mit uns fotografieren lassen wollen.

Wir beschlossen nach Kandovan zu fahren, anschließend nach Tabriz. Kandovan hat ähnliche Höhlengebäude wie Capadocia.

Es ging über eine steppenartige Landschaft und wir waren glücklich so etwas sehen zu dürfen.

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Die Strecke nach Kandovan ging entspannt bergauf, winken war wieder im Sekundentakt angesagt.

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Kandovan ist voller iranischer Touristen. Die Höhlen werden noch heute als Häuser benutzt, man lebt halt drin. Laut Wiki gibt es so etwas nur noch in Spanien, Capadocia und hier halt.

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Wir tranken noch frische Schafsmilch und Çay, bevor es runter nach Tabriz ging.
In Osku aßen wir unsere erste Falafel. War aber nicht gerade sehr lecker. Einige Taxifahrer wollten noch Fotos mit uns, bevor es endgültig in die Millionenstadt Tabriz rein ging.
Vor Tabriz suchten wir noch einen Platz für unsere Zelte. Gleich hinter einem Dorf sprachen uns fünf / sechs helfen wollende Männer an.

Als erstes Resümee schliefen wir zwischen Obstbäumen. Es war winding, aber nicht schlimm. Gezeigt hat uns den Platz Habib, dem wir auf dem Roller gefolgt sind.

3 Stdunden später gegen 22 Uhr stand er mit seinem Freund am Zelt und sagte, dass er nicht ruhig schlafen könne, da er wegen uns ein schlechtes Gewissen hätte. Er bat uns die Zelte zusammen zu packen und in ein Gartenhaus eines Freundes zu folgen. Wir erhielten am Gartenhaus noch etwas Obst und gingen auf Teppichböden in dem heißen Raum schlafen. Morgens würden wir zusammen frühstücken.

Gestellte Szene 😀
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Es ist schwer einfach nur Danke zu sagen, da man das Gefühl hat, dass es zu wenig ist.

Wir haben unterwegs noch ca. 1 kg Gurken geschenkt bekommen und durften danach oft Gurken essen.

Um 11 Uhr waren wir in Tabriz mit einem Warmshowers Host verabredet, der uns die Stadt zeigen wollte. An einem Museum mit einer deutschen Uhr in seinem Turm, trafen wir uns.

Tabriz hat ca. 2 Millionen Einwohner und ist die Hauptstadt von Ost-Aserbaidschan. Die Metropole bietet viel Kultur und Geschichte. Was mich persönlich am meisten beeindruckt hat, war der Basar. Die Teppiche sind berühmt.
Wir aßen Abguscht, das ist Gemüse und Fleisch. Die Suppe wird in eine kleine Schüssel mit Brotstücken gefüllt und zermatscht. Das wird gegessen. Anschließend isst man den Rest. Sehr lecker.
Wir testeten noch Yeralma / Yumurta, eine entweder Ofen- oder gegrillte Kartoffel. Sie wird mit hart gekochtem Ei und Butter zermatscht.

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Zwei Tage blieben wir insgesamt dort. Abends kamen noch weitere Freunde, so dass es echt lustig war. Es war eine sehr schöne und leider kurze Zeit.

Schweren Herzens ging es raus aus Tabriz, Richtung Ardabil.

Winkend und mit vielen Çay – Einladungen ging es auf eine Schnellstraße, wo wir von jemandem 2 Melonen geschenkt bekamen.
Runter von der Schnellstraße ging es auf eine wunderschöne parallel verlaufende Landstraße mit herrlichen Ausblicken und kaum Autos. Hier waren wir wieder glücklich. Keine Abgase und Ruhe. Von Schafhirten gab es auch noch Çay Tee.

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Wir genossen jeden Meter und picknickten zum Schluß an einem tollen Aussichtspunkt.

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Bei vielen Unterhaltungen in der ersten Zeit erfuhren wir, dass weit mehr als die Hälfte der Bevölkerung keine Lust hat auf die Regierung. Die sind so verzweifelt, dass sie sogar auf Donald Trump hoffen, dass er das System endlich in die Knie zwingt.
Von der Zwangs – Religion haben viele genug und gehen auch nicht beten. Immer wieder wird das Thema angesprochen. Einige hoffen auch nach Europa zu kommen.
Leider sind die Leute nicht in der Lage zusammen gegen die Regierung zu kämpfen. Somit wird nur auf Veränderung gehofft.

Vor Ardabil ging es dann aus 2100 m langsam hinunter. Da es aber so schön war auf den Nebenstrassen, entschlossen wir uns noch einen Umweg mit 450 Höhenmetern zu nehmen.

Auf dem Weg übernachteten wir an einem kleinen Fluss. In der Nacht kam noch die Polizei, um zu gucken ob alles ok ist. Ich wünschte Deutschland hätte so etwas, anstatt so vieler Verbote.

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Hart arbeitende Frauen. Einige waschen so ihre Teppiche und Wäsche
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Schlauchwechsel auf iranische Art, ich stand meistens im Weg, obwohl es ja mein Reifen war!
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Viele Frauen tragen das Kopftuch nur zur Hälfte, an einigen wenigen Orten fällt es schon mal runter und dient zeitweise als Halstuch, alles aus Protest. Die Frauen sind hier wirklich sehr hübsch, nur leider oft zu viel Schminke drauf. Ein paar wollen wohl heller wirken. Lassen sich auch die Haare färben. Liebe Frauen, bitte nicht so verstellen!
Bisher habe ich kaum Frauen in Burkas gesehen.
Frauen sitzen im Bus auch hinten. In Teheran gibt es in der U-Bahn zwar Frauenbereiche, aber oft sind die auch unter den Männern.
Von zu Hause ausziehen dürfen sie erst wenn sie einen Mann heiraten. Selbst dann ist ihr Leben nur eingeschränkt, da der Mann das Sagen hat. Dennoch gibt es auch hier Männer, die dann ihre Frau unterstützen. Ich kenne keine genauen Zahlen, aber es sollen die wenigsten sein. Mir wird kotzt übel, wie man Menschen so behandeln kann, aber es hält hier so.
Einige heiraten erst gar nicht, damit sie wenigstens ihr Studium abschließen können. Der Mann kann es denen ja ggf. verbieten.

In Ardabil angekommen, holte uns Amirali, ein warmshowers user, der uns die Stadt zeigen wollte ab. Wir verbrachten zwei Tage gemeinsam und er zeigte uns nicht nur die Stadt, sondern auch lokales Essen! Esst Bitte alle schwarze Halva, wenn ihr in Ardabil seid. Die gibt es nur dort und wird anstatt mit Zucker, mit Honig gemacht. Ich habe selten was besseres süßes gegessen. Die Suppe Ash schmeckt säuerlicher als die in Tabriz. Dort soll sie ursprünglich herkommen.
Ardabil ist sehr preiswert und eine der kältesten Städte im Iran. Das merkten wir am Abend.

Danke Amirali!

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Nur so nebenbei: was frühstückt man so im Iran? Gute Frage Lukas! Ähnliches wie in der Türkei. Also ein Fladenbrot, natürlich heiß und frisch. Hier sind einige Brote noch dünner, wie Papier. Aber auch einige ca. 1 cm dick. Dazu Tomaten, Gurken, Honig, Nüsse, weißen Käse etc. Manchmal eine Art Schlagsahne, die aber die Konsistenz hält und nicht verliert, dazu Honig und warmes Brot, WOW! Generell essen die Iraner recht süß.

Raus aus Ardabil fuhren wir auf einen Wald oder Dschungel zu. Es ging Richtung Astara.

Unterwegs warteten ein paar Ziegen auf ihren Tod. Ich habe es abgelehnt dabei zu sein. Ausgenommen werden die dann draußen.

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Unsere Route führte uns auf eine Landstraße, wo alles grün war. Bäume waren auch überall. Eine ganz andere Welt plötzlich.
Wir hüpften entlang unserer Route auf den Steinen herum, als ein Jeep anhielt und uns ein Mann ansprach. Leider nur Farsi. Mit Händen und Füßen und mit dem Smartphone erfuhren wir, dass er uns mitnehmen wollte. Er sei hier in dem Nationalpark der Aufpasser und kenne sich aus. Nach langem überreden gaben wir nach und beluden den Jeep mit den Rändern. Er brachte uns dann hier hin:

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Wir waren sehr glücklich, hörten noch ein bisschen Musik aus seinem Telefon und genossen alles.

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In der Nacht wollten wir die Milchstraße fotografieren. Michael zeigte mir noch frei laufende Pferde, als wir von einem Augenblick in den nächsten in einer Wolke standen. Also keine Fotos.

Es liefen sogar Kühe frei herum, sie konnten toben, lachen, jagen oder was auch Kühe den ganzen Tag so treiben.

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Ich schlief so gut wie selten.
Am nächsten Morgen tat es mir echt weh den Ort zu verlassen und abwärts Richtung Astara, das an der azerbaijanischen Grenze am kadpischem Meer liegt, zu fahren. Es ging runter von 1600 m auf – 24 m bis wir in Astara ankamen.
In Astara suchten wir einen Obstladen, aßen etwas und fuhren dann zum See.

Astara, der Ort ist zur Hälfte auf der azerbaijanischen, zur Hälfte auf der iranischen Seiten. Wir waren am Strand, ca. 500 m von Azerbaijan entfernt. Nun, wie baden die Leute hier? Einige nur in Badehosen, ein paar im T-Shirt. Nur was soll die Sauerei mit den Frauen? In Bussen sitzen sie hinten, die Männer vorne. Baden dürfen sie nur in so komischen Kostümen. Was sollen diese Einschränkungen? Wir leben nicht im Mittelalter!
Wir badeten in dem trüben Wasser, das kaum salzig ist. Es wurde ganz langsam tiefer, dennoch durften wir nur bis Brusttiefe rein, warum auch immer. Der Strand war auch nicht wirklich voll.

Das gelobte Astara, wir fanden dort nichts interessantes. Raus ging es in der Nähe des Sees über eine Landstraße. Es war recht flach. An einer überdachten Sitzbank aßen wir Dillgurken (schmecken genauso wie die polnischen), die Michael seit einigen Tagen mit sich herumfuhr. Waren sehr lecker.
Unterwegs wollte ich noch Bier kaufen, alkoholfrei, mit Alkohol gibt es keins, doch der Verkäufer wollte kein Geld. Im‌ Iran bieten die Menschen aus Freundlichkeit etwas an, meinen es aber vielleicht anders. Also muss man am besten noch zweimal nachhaken. Wenn der Verkäufer immer noch kein Geld will, meint er es ernst. Er wollte von mir wirklich kein Geld haben und gab mir dazu noch Kekse.

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Wir wollten an dem Tag am Strand schlafen, doch zuvor gab es erst einmal Çay oder sogar zweimal.

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Wir kauften Gemüse ein und es ging zum Strand.

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Als wir schlafen wollten kam ein Auto angefahren und drei Polizeibeamte stiegen aus. Sie wollten unsere Passporte sehen. Sie waren angeblich um unsere Sicherheit besorgt. Dann kam noch einer aus der Çay – Bar und ein Bekannter. Noch jemand kam hinzu. Wir standen nun mit sechs Leuten da. Man sah denen an, dass sie sich kannten. Sie alle scherzten miteinander. Am Ende schien der Çay – Mann gesagt zu haben, dass alles ok sei. Sie fuhren alle weg und Ruhe war.

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Dann wollten wir auch mal im Dschungel schlafen. Also ging es etwas rauf, um uns herum alles grün und viele Autos waren unterwegs. Als wir mit einem Imker einen Smalltalk hielten, gab’s erstmal frischen Honig.
Weiter ging es rauf, als uns jemand ansprach, was und wohin wir wollten. Er zeigte uns die einzig gute Stelle. Ansonsten hätten wir noch weiter und höher fahren müssen.

Am nächsten Tag ging es eine langweilige Strasse am See entlang. Geschlafen haben wir in diesen Hütten.

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Wir wollten nach Masouleh, das soll ein schönes kleines Dorf auf knapp über 1000 m Höhe sein. Es ging also winkend hoch. Sehr viele Autos fuhren an uns vorbei, es musste also wirklich voll sein da oben.

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Das Wetter war feuchtwarm und man wusste nicht, ist das Schweiß oder Wasser.

Endlich oben angekommen suchten wir uns eine schöne Stelle auf einer Wiese zum Zelten und schauten uns das Dorf an. Es sind eng zusammengebaute Häuser, manchmal wird auch das Dach mitgenutzt.
Es ist ein kleines Dorf, aber mit vielen Touristen und deren Autos.
Es war ziemlich nebelig und abends verschwanden die Wolken schnell wieder

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Am nächsten Tag ging es runter. Unterwegs trafen wir einen Fahrradfahrer Namens Ali. Er überredete uns zum Essen zu bleiben und später sogar in Rasht bei ihm zu übernachten. Ein herzensguter Mensch. Doch zuerst wollten wir alle die Burg Rudkhan besichtigen. Am Abend waren wir dort, doch die Burg war schon geschlossen. Im Zelt durften wir im Wald nicht schlafen, da die Aufseher sich zu sehr um uns Touristen Sorgen gemacht haben. Ali schaffte es, uns in einem Restaurant einen Schlafplatz auf den Sitzflächen, auf denen die Iraner auch Essen, zu beschaffen. Wir schliefen also auf den mit Teppich belegten großen Bänken.

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Am Morgen bestiegen wir die über 1000 Treppen und schauten und staunten über eine Burg die mitten im Wald auf einen Berg gebaut worden ist.

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Später fuhren wir mit Ali, zu Ali. Am Tag darauf ging es zu seinem Geburtsort Licha, wo wir von einer Çay – Bar in die andere geführt wurden. Doch zuvor das Wichtigste, nämlich Essen! Das gab es bei seinem Bruder. Dazu gehörte natürlich Reis und später frische Pistazien, die in diesem Dorf angebaut werden. Beides sehr lecker.

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Bei seinem Bruder
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Es gab noch so viele Fotos, es war sehr lustig. Immer wieder kamen neue Leute und einige gingen wieder.

Raus aus Rasht und dem täglichen Regen, ging es nicht mehr wie geplant Richtig Chalus, stattdessen nahmen wir eine schöne und auch gefährliche Strecke. Wir wollten raus aus dem Regen, wieder rein in den Sommer.

Wir fuhren also am 4. Regentag über Nebenstraßen wieder Richtung Dschungel.

Wie dem auch sei, winken im Dauerzustand war angesagt. Im Schnitt winkten wir jedem zweiten Auto zu und es waren nicht gerade wenige unterwegs. Einige Leute schrien Hello, einige fuhren neben uns, um zu fragen wo wir herkommen. Jeden Tag sogar halten im Schnitt zwei Autos an, für ein Selfie.

Wir fuhren also winkend und glücklich die Strasse entlang, als plötzlich hinter uns ein Auto wendete, uns überholte, anhielt und die vier Leute im Auto uns Reis mit Hühnchen in die Hand drückten. Es seien Feiertage und Essen gäbe es kostenlos an diesen Tagen.
Ein Tag, ganz nach meinem Geschmack. Ich liebe Essen! Und Apfelkuchen und Fisch und, ach, es gibt zu viel gutes Essen.

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Noch mehr grinsend ging es weiter, bis uns auffiel, dass wir falsch fuhren und wir nun eine kleinere Landstraße über die Berge nehmen mussten, anstatt die geplante Route über den Dschungel. Das wiederum brachte uns noch mehr Essen ein. Eine Familie gab uns Reis. Der Reis in dieser Region ist wirklich sehr lecker. Es gibt auch viele Reisfelder, so dass das Essen lokal und frisch ist! Weissfisch und Tee sind, neben den schon erwähnten Pistazien, ebenfalls sehr beliebt!

Hübsche Frauen winkten uns zu, schrien etwas beim vorbeifahren, Familien ebenfalls, eine ganz tolle Stimmung. Über die Çay Einladungen spreche ich erst gar nicht mehr. Das würde den Rahmen hier sprengen.
Durch den dichten und feuchten Wald ging es langsam hinauf. Es soll insgesamt auf ca. 1600m hoch gehen, von Null Halt.
Unterwegs trafen wir noch ein Paar, das bei Teheran wohnt und uns nach unserer geplanten Visa-Verlängerung dort, zu sich eingeladen hat. Wir nahmen dankend an.
Durch Haarnadelkurven, winkend im Dauerzustand, links ein kleiner Fluss im Wald, rechts eine grüne Waldwand. Hin und wieder sah man halb durch Wolken verdeckte hügelartige bewaldete Berge.

Bei der Suche nach einem Schlafplatz im Wald am Fluss, trafen wir 7 Leute an einem Lagerfeuer, woraus direkt eine kleine tanzende Party entstand. Alles nur mit Çay. Eine Einladung nach Isfahan war auch mit dabei.

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Wir bauten unsere Zelte in der Nähe des Feuers auf und in der Dämmerung gingen die Leute zu ihren Autos und fuhren heim.

In der Nacht regnete und donnerte es. Ein Gewitter brachte einen heftigen Starkregen und fingerkuppengrosse Hagelkörner mit. Unsere China-Zelte hatten schnell etwas Wasser im Inneren. Zudem musste morgens im Regen mehrmals zur Toilette, mein Magen wollte irgendetwas nicht behalten.

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Wir packten am späten Morgen unsere matschigen Zelte und nassen Schlafsäcke ein und es ging unter Wolken 1200 m auf insgesamt 1600 m hinauf.

Unzählige Selfies und Winkeinlagen waren inbegriffen. Als ich mich am schwächsten gefühlt habe, rief uns eine Familie zum Essen. Woher wissen die Leute, was man gerade braucht? Ich glaube nicht an Zufälle.

Oben endlich im Nebel angekommen, hielten ein paar Jungs an und überredeten uns mit ihnen zu kommen. Wir fuhren ihnen nach. Kurz darauf gab es noch eine Kontrolle durch die Polizei und den Bürgermeister von Deylaman, weil sie sich so im unsere Sicherheit sorgten. Sie wollten uns einen sicheren Ort zeigen. Doch die Jungs kamen uns zu Hilfe.

In dichtem Nebel ging es schiebenderweise durch eine Berglandschaft hindurch.
In einem kuscheligen kleinen Raum auf einem Bauerhof, der mit Holz beheizt wird und mit Teppich ausgelegt ist, aßen wir gemeinsam und verbrachten einen tollen Abend.

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Ein wunderschöner Ort, der leider nur selten seine schönste Seite zeigte. Es lagen halt Wolken auf dem Berg. Danke für den tollen Abend!

Wir schauten uns die weitere Route Richtung Teheran an und die war scheiße. Entweder durch die Berge oder, wie die Jungs sagten, über sehr schlechte Wege.
Also fuhren wir den Berg wieder runter und dann auf die alte Route, die wir halt verpasst hatten zu nehmen. Man braucht echt Stunden um hoch zu kommen und ist in ungefähr einer halber Stunde wieder unten.

Es ging die alte Strasse an der Autobahn entlang, an der hin und wieder Autos mit frischen Pfannkuchen standen.

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Nach zwei Tagen kamen wir in Qazvin an, wo wir im Park schlafen wollten. Ein älterer Mann wollte uns unbedingt helfen und es war schwierig sich zu einigen. Wir waren wieder zu nett, anstatt einfach mal Nein zu sagen.

Wir schauten uns noch ein wenig die Stadt an. Leider hatten wir nur noch für 4 Tage gültige Visa und konnten uns Qazvin deshalb nicht ausgiebig anschauen.

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Wir hatten es nicht mehr weit bis Teheran. Zwei Tage ungefähr.
Der Aufseher einer Firma zog uns in seine Hütte, wo wir erstmal mit Maiskolben gefüttert wurden.

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In Hashtgert schliefen wir im Park, wo wir immer wieder Aufsehen erregten. Paar Kinder hatten leider Spaß uns zu später Stunde mit Steinen zu bewerfen. Sie trafen aber unsere Zelte nicht.
Mit ein paar Jugendlichen hatten wir dann noch viel Spaß gehabt. Die Menschen sind hier wirklich sehr einladend.

Vor Karaj nahmen wir die Einladung an, die wir auf dem Weg nach Deylaman angeboten bekamen. Wir wurden mit lokalem und sehr leckerem‌ Essen versorgt. Danke dafür!

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Am Morgen, nach vier Stunden Schlaf, ging es die letzten 45 km direkt zur Polizei für auswärtige Angelegenheiten in Teheran. Der Verkehr, naja, ist halt groß in Teheran.

Zwei Passfotos abgegeben, etwas ausgefüllt, was wahrscheinlich eh unwichtig ist, 350000 RIA bezahlt und nach ca. 40 Minuten waren wir draußen und dürfen nun weitere 30 Tage im Iran verbringen. Im Büro trafen wir noch Max. Der ist in Herne geboren und wohnte in Dortmund. Er ist seit 10 Monaten im Iran und seit 2 Jahren mit dem Karavan unterwegs. Gute Fahrt Junge!

Wir suchten uns ein Hostel und blieben drei Tage in Teheran. Ali kam uns auch noch besuchen. Er wird ein paar Tage mit uns fahren, er wollte es unbedingt.

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Die Stadt an sich hat viele Museen, aber mir gefällt sie nicht so besonders. Verkehr und Roller ohne Ende, Smog ist im Iran eh ein Problem, aber das ist heftig.
Der Norden hat schöne Ecken, man kann auch mit der Seilbahn auf 4000 m hoch fahren.
Neben der U-Bahn, sind hier die Taxen hoch im Kurs. Mit der App SNAP kriegt man die billiger, also ohne Touristenaufpreis. Start und Endpunkt angeben und wenige Minuten warten. Man kann sich zwischen, Roller, Roller für mehrere Passagiere, Frau oder Mann am Steuer entscheiden.
Geld haben wir auch wieder gewechselt, nur diesmal im Hotel. In Khoy kostete der Dollar ca. 11 000 Toman, nun, nach fast 30 Tagen 17 700 Toman.

Am Morgen geht es also wieder los. Raus auf die Piste!

Werden Lukas und Michael es auch ohne Çay schaffen? Ist die iranische Wüste wirklich so heiß? Sollte Lukas lieber ein Kopftuch tragen? Dies vielleicht und vieles mehr im weiteren Teil…

Alle Photos aus dem Kapitel https://www.flickr.com/photos/lukas-adrian/albums/72157701188082025

4 thoughts to “#19 – Iran, Dschungel, Eindrücke und Menschen”

  1. Ach…….wieder schön von dir zu lesen. Bei deinen Erzählungen knurrt mir der Magen und das Wasser läuft im Mund zusammen. Es feut mich das dir der Iran gefällt. Verhungern wirst du ja nicht wie es aussieht und Schlfplätze scheint es auch genug zu geben! Was will der Mensch mehr? Such dir ein warmes Plätzchen für den Winter und schreib fleißig weiter. Alles Gute weiterhin.

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