#20 – Iran, Steppe, Menschen und Touristen

Mit Ali fuhren wir erst einmal zu einer Strasse mit Fahrradgeschäften. In Teheran sind die Geschäfte wie in Istanbul kategorisiert. Das heißt, sucht man eine Lampe, fährt man zu einer Strasse mit 40 Lampengeschäften.
Mein Hinterrad war ziemlich abgenutzt und musste ausgewechselt werden. Gleich noch die Bremsklötze, die nach 9500 km recht klein waren, gegen die aus Bosnien-Herzegowina ausgetauscht. Nun bin ich gespannt, ob die mehr aushalten.

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Einige Teile können wegen des hohen Dollars nicht importiert werden, es ist halt zu teuer. Auch die Reifen werden importiert. Somit war die Auswahl an Reifen beschränkt.

Durch den Smog auf der Schnellstraße ging es zur dritt Richtung Süden. Wir kauften ca. 1 Stunde vor Sonnenuntergang Essen für den nächsten Tag ein, da wir auf den nächsten 80 km auf kein Dorf mehr treffen würden. Es ging jetzt in die Wüste. Erst nach 80 km sollten wir auf die erste Caravanserai treffen.

In der Dämmerung wollten wir in einem Dorf eine Stelle zum Zelten finden, als Ali und Michael, die hinter mir waren, von jemandem angesprochen wurden. Der Mann bot uns einen Schlafplatz in irgendeinem Sportcenter an, so hieß es. Während Ali mit dem Herrn diskutierte, kam auf dem Fahrrad ein anderer Mann hinzu. Er sprach davon, bei ihm im Garten zu schlafen. Gefiel mir besser, da im Zelt! Doch dann kam noch ein Auto angefahren, mit irgendeinem Minister, der sich auch noch in die Diskussion einbrachte. Am Ende sollten wir hinter dem Minister herfahren. Nachdem er 10 Min telefoniert hatte, führte er uns an einen Park. Dort sollten wir jemanden auf dem Roller folgen, der uns zu einer Moschee brachte. Der Mann ging weg und wir folgten jemand anderem, der uns dann in einen Schlafraum brachte. Natürlich war jede Übergabe von Diskussionen begleitet. Meistens aber mit Fragen wo wir herkommen.

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Abends kam noch der Herr, der auf dem Rad war und brachte uns sehr leckere Weintrauben und ein wenig Gemüse.

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Wie so oft, hatten wir beide keinen Plan davon, was diskutiert wurde, wo wir landen würden etc. Aber das ist normal im Iran. Selbst einfache Einkäufe können zu großem Aufwand führen, wobei man keine Ahnung hat, ob man warten, wiederkommen oder weiter fahren soll 😀 Auch Ali ist manchmal überfragt.

Am Morgen ging es dann vollgepackt mit Essen und Trinken Richtung Wüste. Ich konnte es kaum erwarten bei wunderschönem Sternenhimmel draußen zu schlafen.

Ca. 10 km vor der Einfahrt in den Nationalpark Kavir, hielt ein Ranger an und sagte, wir bräuchten irgendwelche Infos oder eine Erlaubnis, sonst kämen wir nicht rein.
Scheiß Bürokratie, dachte ich. Stempel oder sonst was wollen die bestimmt sehen. Ich war enttäuscht und sauer.
Es ging ein Stück zurück, dann über die Autobahn 50 km weiter nach Garmsar, wo wir uns am darauf folgenden Tag alles mögliche besorgen und dann eine andere Strasse in die Wüste nehmen wollten. Diese ist aber nicht auf unseren Telefonen abgebildet, wir haben nur eine Landkarte.

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Wir fuhren zu einem Büro, das uns die Erlaubnis geben sollte. Dort sagte man uns, der Park sei geschlossen und es sei nicht möglich.
Ali bekam an der Tür einen Tipp. Also fuhren wir zum Bürgermeisteramt, wo wir nach vielen Telefonaten schließlich eine Erlaubnis bekamen, die aber erst in einem weiteren Büro für Kultur abgesegnet werden musste. Dort erhielten wir mit manchmal bis zu 7 Leuten im Büro, einigen Fotos und weiteren Kopien, die Erlaubnis. Es war recht schwierig, da eine neue Zebra Art im Park ausgesetzt worden war und die Leute andere Sorgen hatten. Dennoch gab’s immer wieder Cay.

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Im Endeffekt weiß ich bis heute nicht, warum es so umständlich war. Ich denke, man muss es aber nicht wirklich verstehen.

Am nächsten Tag sollte es dann endlich losgehen. Es war nun leider schon zu spät um am selben Tag noch loszufahren. Es waren halt 60 langsame km.
Am Morgen ging es dann in die Wüste (oder eher Steppe).

Kurz nach der Stadt wurden wir von 3 Rangern angehalten und mussten die Erlaubnis abgeben. Es gab noch Fotos von uns und einige Selfies mit den Rangern.
Die Strasse in der Steppe war steinig, so dass man hüpfend mit 12 km/h voran kam. Die Gegend ist sehr flach und es sind kaum Gebüsche zu sehen. Der Boden besteht aus vertrocknetem Lehm. Es war ein wenig windig, so dass immer wieder Windhosen zu sehen waren. Heiß war es auch nicht, nur 40 Grad in der Sonne. Der Wind kühlte halt etwas ab. Von daher also doch mehr Steppe, statt Wüste.
Man sieht erst in der Steppe, wie groß das Ganze ist. Es gibt bis auf die paar kleinen Gebüsche nichts. Am Horizont sind noch ein paar Berge zu erkennen.
Nach ca. 50 km hüpfen, zum Teil im Sand fahren und einen durch einen kleinen Glassplitter verursachten geflickten Platten, kamen wir zu einem Ranger-Häuschen, an dem wir unser Wasser auffüllten. Wir bezahlten Eintritt und für 2 Tage Unterkunft. Das Übernachten in der Caravanserai kostet extra. Man kann aber auch im Zelt irgendwo schlafen.

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Über sandigen Boden ging es weitere 15 km zur Caravanserai. Die Gegend hat hier ein wenig mehr kleine Gebüsche und es ist leicht bergig. Die höheren Berge am Horizont kamen immer näher.
Am Ziel angekommen, wurde uns nach dem ersten Tee eine angeblich gefährliche Schlange gezeigt. Sie ist wohl keinen Meter lang. Ob es hier tödliche Schlangen gibt, ich bezweifle es, da ich im Iran oft Panikmache, egal um was es geht, gehört habe. Ich blieb also misstrauisch bei solchen Äußerungen.
Da es hier kein Mobilnetz gibt, konnte ich zudem auch nicht nachschauen.
Ich schlief in einem kleinen Raum, wo ich unter dem Bett eine große tote Spinne fand. Mit samt Beinen dürfte sie ca. fast 10 cm groß sein. Wahrscheinlich tut ihr Biss auch nur weh, nicht mehr und nicht weniger. Skorpione könnte es hier theoretisch auch geben.

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Wir blieben zwei Tage in der Caravanserei. Es kamen am zweiten Tag 20 Leute, die Geburtstag gefeiert haben. Uns haben sie netterweise auch eingeladen. Ohne Alkohol wurde gesungen, getanzt, es gab eine wirklich tolle Stimmung. Sehr nette waren das.
Oft vermisse ich so etwas und das bringt mich immer wieder zum Nachdenken. Viele tolle Leute um und mit einem, loslassen und einfach Spaß haben.
Obwohl ich auch oft die Einsamkeit vermisse und jeden Augenblick alleine mit meinen Gedanken genieße, denke ich, dass ich keiner bin der lange irgendwo alleine sein könnte. Dennoch wäre es auch mal eine Erfahrung. Vielleicht ist es aber auch nur Gewohnheit mit Menschen zusammen zu sein?
Ich denke aber eher, es gibt Menschen die fühlen sich alleine auch sehr wohl und andere wieder nicht. Jeder hat irgendwo seine Stärken und Schwächen. Dennoch, zu versuchen sich an etwas zu gewöhnen was man im Inneren nicht mag, wäre wohl auch der falsche Weg. Früher oder später werde ich mich dennoch der Einsamkeit widmen, um zu schauen wie es mir gehen wird. Sicherlich werde ich vieles anders sehen und das bringt neue Erfahrungen.

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Bezahlen sollten wir, anstatt wie ausgemacht für einen Tag, plötzlich für 2 Tage. Hätten wir das geahnt, wären wir nur einen Tag bleiben. Also, am besten alles am Anfang alles ausmachen und auch direkt bezahlen. Billig war es leider nicht, aber weniger als 10 Dollar pro Nacht.

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Vollgepackt mit 6 Litern Wasser und Essen, was gerade eben für zwei Tage reicht, ging es wieder los. Ziel war eine alte, geschlossene Caravanserai, wo es halt nichts zu Trinken gab. Dort wollten wir zelten.
Zum Teil über steinige, schotterige und sandige Wege fuhren wir durch verschiedenartige Landschaften. Ich fühlte mich pudelwohl und freute mich riesig.
Dann das erste Tier, das leider von einem Jeep erschreckt wurde.

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Manchmal versanken die Reifen wenige Zentimeter, so dass das Treten anstrengend war oder man ganz absteigen musste. Zum Glück hielt es sich in Grenzen. An einigen Stellen sah man wirklich kaum etwas am Horizont, irgendwie ein toller Anblick.

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Es gingen mir viele Gedanken durch den Kopf, vor allem wieder über die Einsamkeit bzw. Nicht-Einsamkeit und diesbezügliche „was wäre wenn“ Fragen.

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Während der Fahrt merkte ich, wie der Durst immer größer wurde. Ich sagte mir, mit 3 Litern schaffe ich die 60 km. An der alten und geschlossenen Caravanserai, also unserem Ziel, stand überraschenderweise ein Haus in dem zwei Ranger wohnen. Toll, dass uns das keiner gesagt hat.
Da sie Wasser hatten, trank ich bei ihnen soviel es ging. Ich hatte es mit drei Litern geschafft, war dennoch überrascht, dass der Durst doch so groß war. Meine eingewickelte Eisflasche hatte noch sehr viel Eis. Ich denke dieser Kühlschrank würde sicherlich bis morgens noch Eis haben.
Obwohl der Weg recht anstrengend war, war ich kaum erschöpft, nur hungrig und durstig.
Wir wärmten bei den Rangern unser Essen auf, tranken ordentlich, beobachten einen Fuchs, den die Ranger manchmal rufen und dann füttern und gingen schlafen. Ich schlief lieber im Zelt als oben im Raum. Nicht nur dass es heiß da oben war, da waren auch so große Spinnen 😀
Keine Lust dann da noch auf dem Boden zu schlafen. Aber da sieht man, was für ein Stadtmensch ich doch bin.
Es ist wirklich wunderschön hier.
Leider wurde der Wind in der Nacht so stark, dass wir Angst um unsere Zelte hatten, die nicht angebunden waren. Also ging es doch hoch, nur ich ging raus auf die kleine Terrasse, wo Ali im Windschatten schlief.

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Morgens ging es weiter, ca. 50 km sollten es werden. Die Umgebung wechselte langsam vom Schotter zu Sand. Zum Glück war es etwas bewölkt und es gab Seitenwind, so dass wir nicht so viel Wasser brauchen würden. Aber das Schlimmsten sind die beißenden Fliegen! Seit Anbeginn nervten sie tierisch. Man kann kaum was machen, die sind überall! Durch den Wind waren zum Glück nur ein paar mutige unterwegs.

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Der Sand wurde an manchen Stellen immer tiefer, so dass wir nur noch schieben konnten. Es sah zum Teil wirklich aus, wie in der Sahara. Ich war so glücklich. War es das, was ich erwartet hatte? Ich hätte mir ein bisschen mehr Sandwüste mit Zelten im Sand gewünscht, aber dennoch war ich zufrieden. Ich werde in Zukunft sicherlich noch einige solcher Möglichkeiten haben. Vielleicht hätte ich mir auch ein bisschen mehr Gefahr gewünscht. Aber das kriege ich auch noch hin, wenn ich später alleine fahre.

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Müll, egal wo. Auch an den schönsten Orten
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Wir erreichten die Caravanserai, wo einige Leute von einer psychedelischen Elektro – Party übrig waren. Eine Party in der Wüste, genial! Wir haben die Fete um einen Tag verpasst. Ist zwar nicht meine Musikrichtung, aber besser als nichts. Auch solche Menschen gibt es hier. Tattoos, Dreadlocks, ohne Kopftuch, alles da. In der Stadt wird das dann aber schön versteckt.

Die Nacht war stürmisch und regnerisch und ich schlief im Zelt anstatt im Zimmer. Dann kam noch ein Gewitter hinzu, aber zum Glück zog es nur vorbei. Ich hatte Panik um mein super tolles Billigzelt aus China. Aber überraschenderweise blieb es trocken und ganz.
Ich konnte wegen dem Wind 1 bis 2 Stunden nicht schlafen. Morgens hatte ich keine Lust aufzustehen, aber Ali und Michael waren schon auf und warteten auf mich. Immer dieser Druck und Stress 😀

Die Strasse war eher kieselig bis sandig, wir mussten hin und wieder schieben oder neben der Fahrbahn fahren. Zudem haben die ganzen Wege quer liegende Rillen, so dass man eher hüpfend voran kommt. Wie die entstehen ist uns noch ein Rätsel.
Kurz vor Aradan Va Bidgol, musste ich meine Hosen verlängern, damit meine Knie wieder bedeckt waren. Ich hasse das! Mit viel Wehmut kam dann die erste Stadt. Ich wollte am liebsten wieder zurück. Einfach für ein paar Tage durch die Wüste wandern. Natürlich immer auch reichlich Wasser haben 😀
Nun kamen wieder die „Hello, how are you?“ „Where are you come from?“ „Ohhh, Aleman!“ Ich glaube ich sehne mich insgesamt wieder nach Abwechslung. Dasselbe hatte ich auch schon in der Türkei, so schön alles war, es wiederholte sich halt. Auch wieder Bestätigungen meiner früheren Erkenntnisse über mich selbst. Irgendwie lerne ich kaum neue Seiten an mir kenne, da ich in 12 Jahren mit langen Bahnfahrten zur Arbeit genug Zeit dafür hatte. Aber gut zu wissen, was in einem so brodelt 🙂

In der Nebenstadt Nush Abad schauten wir uns noch eine Burg und eine Untergrundstadt an. Touristen bezahlen automatisch mehr 😀
Brote werden im Iran noch bis Abends gebacken, da die Iraner fast zu jeder Mahlzeit frisches Brot essen. Nicht wie in Deutschland, wo es nur morgens vom Bäcker aufgewärmte Brötchen gibt. Aber, andere Länder, andere Sitten.

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Ali besorgte uns noch für 50 Toman (derzeit ca. 3 Dollar) ein Zimmer.
Am nächsten Tag sollte es nach Kashan gehen, wo unsere SIM Karten wieder aktiviert werden sollten. Irancell blockierte uns, da die Telefone nicht aktiviert wurden bei denen.

Mir fällt hier auch auf, dass die Frauen mehr verhüllt sind, als im Norden. Es wird ein schwarzes Gewand getragen, wo nur noch das Gesicht zu erkennen ist. In den Großstädten sieht es dann wiederum anders aus. Halb verhüllter Kopf, nahezu als Halstuch getragenes Tuch. Ich kann mich mit dem Verstecken nicht anfreunden, aber es ist halt hier so.

Nur so nebenbei, am Mittwoch sind viele Firmen geschlossen, da es so wie der Samstag in Europa ist. Freitag ist dann der Sonntag, wo fast alles zu ist. Aber ein paar kleine Supermärkte haben offen, es ist halt nicht gesetzlich geregelt wie in Deutschland.

In Kashan schauten wir uns ein paar wenige Orte an, nachdem wir unsere SIM Karten bei dem scheiß Irancell wieder aktiviert hatten. Meine 3. SIM Karte funktionierte ein paar Stunden, später gar nicht mehr. Internetvolumen war schnell verbraucht, da mir ein falsches Paket gegeben wurde (falsche Verständigung). Ich zahle natürlich jedes Mal und habe kaum was davon. So schön der Iran sein kann, wenn es ums Geld geht, fliegen meine 500er schneller als ich denken kann.
Wir kauften noch etwas zu Essen und wollten in Kashan im Park schlafen. Doch wie das so ist im Iran, wurden wir angesprochen und durften direkt in einer großen leeren Wohnung schlafen, herrlich! Ausgleich also, da verliert man, hier gewinnt man.

Nur so nebenbei, im Iran gibt es sehr viele Sprachen. Ali kann also vieles selber nicht verstehen. Die Grundsprache ist aber Farsi, was aber nichts mit der Provinz Fars zu tun hat.

Ich konnte nicht schlafen und machte mir viele Gedanken über den Blog. Falls Irancell mir eine neue SIM Karte andrehen wollte, würde ich ggf ablehnen, da ich denen schon genug bezahlt habe. Zudem ist das ganze recht aufwendig. Somit wäre erst mal Schluss mit dem Blog. Später alles ergänzen mitsamt Fotos, das wäre ebenfalls sehr aufwendig. Aber erstmal abwarten. Am Ende konnte mir die sehr hübsche Verkäuferin das Teil zum Laufen bringen (sehr schade dass sie kein Englisch sprach 😀 ). SIM Karte muss ich aber dennoch immer wieder im Slot wechseln.

Leute, die die Tiere hüten oder Reis ernten schlafen schon mal im Zelt
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Reisarbeiter
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Es ging weiter, aber erstmal langsam bergauf, wo wir in einem Dorf am Ende des Tages im Park schlafen gingen. Am nächsten Tag waren die letzten Kilometer nach Isfahan wunderschön! Unterwegs wurden wir noch in ein Haus gezogen, in dem eine Familie viele Antiquitäten hat. Ihre junge Tochter hatte permanent so ein Lächeln im Gesicht, dass es kaum möglich war wegzugucken.

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Ich bekam bei der Bergabfahrt kaum mein Grinsen aus dem Gesicht, aber vielleicht lag es daran, dass ich Musik gehört habe. Das passiert leider zu selten. Dennoch habe ich mich einfach toll gefühlt. Die Landschaft sah auch toll aus, zudem herrschte endlich auch mal weniger Verkehr.

Vor Isfahan schliefen wir noch einmal in einem Park, bevor wir morgens in die Großstadt fuhren.
In Isfahan haben wir uns ein Hostel gesucht. Wir merkten aber, dass wir die Stadtbesichtigungen satt hatten. Immer dasselbe irgendwie. Das ist auch ein Problem beim Reisen, man muss aufpassen, dass man genug Abwechslung hat.

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Mir fällt auf, dass hier mehr Frauen in Schwarz rumlaufen, das Gesicht ist gut zu erkennen. Sie sind immer noch bildhübsch, so dass man sich täglich neu verlieben könnte 😀 Dann lächeln die einen auch noch an! Wie dem auch sei, ich glaube der islamische Glaube ist stärker, je weiter man nach Süden fährt.

Wir planten unsere Tour durch Nationalparks Richtung Süden und feierten noch den Geburtstag meines Vater mit alkoholfreiem Bier und Kuchen.

Hier noch etwas aus Isfahan
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Am nächsten Tag in Zarinshar bekam ich ich eine Krise. Ich wollte endlich wieder was gutes essen, nicht immer nur Kebab. Leider gab es außer Kebab und Fastfood nichts. Also wollte ich nichts essen. Im Park, in dem wir zelten wollten, wurde im Kiosk eine Suppe angeboten. Es war ein Segen für mich! Ich träume langsam vom Oman, was das Essen angeht. Es gibt wirklich kaum Alternativen zum Kebab, außer bei Leuten zu Hause.

Ali liebt es zu kochen und zauberte uns Koteletts aus Kartoffeln, so wie das hier heißt
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In der Stadt Boroujen, als wir anfingen uns einen Raum zu suchen, wurde ich von einem jüngeren Herrn am Arm gepackt und in ein Eiskaffee gezerrt, wo uns direkt Saft mit Eis gegeben wurde. Natürlich war alles mit Lachen und Spaß verbunden. So saßen wir da. Im Kaffee wurde es voller, da Touristen, also wir halt, da waren und 1 Stunde später saßen wir mit dem Besitzer des Kaffees in seinem Gartenhaus beim Essen. Dort übernachteten wir auch.
Wir saßen zu siebt, aßen ordentlich, es war ein schöner, sehr lustiger aber viel zu kurzer Abend.

Am nächsten Tag wurden wir zum Kaleh Pacheh eingeladen, also Schaafskopf und Pfote. Das wird auch manchmal zum Frühstück gegessen. Zunge und Backe sind am Besten. Das gehört nun mal auch zum Kennenlernen der Kulturen dazu. Aber dieses Essen werde ich in einigen Monaten bestimmt wiedersehen.

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Nach vielen Verabschiedungen ging es schweren Herzens weiter nach Süden.
Am Abend wurden wir mal wieder eingeladen. Auf dem Weg zum Haus wurden wir von Kindern aus weiter Entfernung mit Steinen beworfen. Sie sollen danach Ärger bekommen haben.
In einem sehr modernem großem Zimmer, das wie immer keine Tische und Stühle hat, nur Teppich, wurden wir sehr gut gefüttert. Es kamen noch Freunde hinzu. Wir gingen gegen 22 Uhr müde zu Bett. Allerdings, man schläft auf dem Teppich, nur zugedeckt ist man. Da ich zu dünn bin und gerne auf dem Bauch schlafe, tun mir manchmal die Rippen weh.

Am nächsten Tag zog ich mich auf den wunderschönen Wegen mit meiner Musik ein wenig zurück. Ich ließ viele Gedanken laufen. Ich bin sowas von dankbar, dass ich in der Lage bin so eine Reise zu machen.

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Ein Dorf in den Bergen
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Wir besuchten die Margoon Wasserfälle, wo wir uns einen Raum für 50 Toman teilten. Auf dem Weg zog ich mich wieder ein wenig zurück, lauschte der Musik, lachte und winkte den Leuten zurück. Ich war richtig gut drauf. Es ging auf ca. 2600 m hoch, erschöpft war ich nicht, die Knie taten mir zum Glück nicht wirklich weh. Ich merke aber, dass mir die Musik wirklich gefehlt hat. Es baut einfach meine Stimmung extrem auf. Musik ist ein Teil von mir und das schon seit dem Kindesalter. Mit dieser Freude merkte ich auch, dass einem mehr Leute  zuwinken, als ob das ein Magnet wäre. Vielleicht bilde ich mir das aber auch nur ein.

Wasserfälle
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Schon mal jemand Reis gesehen?
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Ein Reisfeld wird abgebrannt
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Unterwegs wollten noch ein paar Mädels Fotos von uns und ein Cay wurde ebenfalls noch getrunken.

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Leider merkt man den Herbst. Es ist schlicht und einfach kalt, wenn die Sonne weg ist. Manchmal denke ich, scheiß auf die Sehenswürdigkeiten und hau in den Süden ab. Mich nervt auch unheimlich, dass die Tage so kurz sind. Ich würde mir wünschen noch im hellen am Abend am Zelt zu sitzen. Aber da muss ich mich bis zum nächsten Jahr gedulden.

Ali besorgte uns noch für einen 500er ein Zimmer.

Nach den Wasserfällen fuhren wir am nächsten Tag Richtung Lost Paradise! Was für ein Name!

Immer wieder werden wir angesprochenen, doch wir haben Ali und schicken die Leute zu ihm 😀
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Lost Paradise ist ein Park mit kleinen Wasserfällen und einem Dorf auf dem Berg. Mir persönlich hat der Park und die Region über den Wasserfällen am besten gefallen. Ich habe keine Fotos davon gemacht. Das alte Dorf ist über einen längeren Fußmarsch erreichbar.

Die Kleinen sind sowas von gesprächig, so dass man mit denen sogar was geschäftliches ausmachen kann.
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In den Dörfern werden wir oft von Kindern umzingelt
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Oder hier
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Wir versuchten am Abend erfolglos ein Zimmer zu finden. Bis wir von einem Touristen Guide eingeladen wurden. Es gab Essen und ein nettes Beisammensein mit ihm und seinen Freunden. Was mir nicht gefallen hat, seine Schwester spielte eine Hausfrau. Es wurde was in die Küche gerufen, ein paar Minuten später war der Tee da. Noch nicht mal eine Verabschiedung gab es, obwohl wir doch am nächsten Tag weiter fuhren. Könnte entweder am Islam liegen oder sie hat einfach keine Lust gehabt. Aber Frauen spielen hier eh überwiegend die Hausfrau. Der Islam ist eine reine Männergesellschaft.

Immer wieder in den Dörfern, morgens und abends
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Wir fuhren weiter Richtung Shiraz und wurden von einem Auto angehalten. Als Geschenk gab es einfach viel zu viele Tomaten.

Wenige Kilometer weiter trafen wir ein älteres Pärchen aus Frankreich, das mit dem Auto den Iran erkundet. Wir hatten eine recht lustige Begegnung und haben viel miteinander gelacht. Als Geschenk gaben wir ihnen eine Tüte voll Tomaten 😀

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Wenige Kilometer weiter suchten wir ein Zimmer. Wie so oft, einer kennt einen, der ggf ein Zimmer hat. So war es auch diesmal und wir wurden halt eingeladen. Der Mann und seine vermutlich Schwestern waren dort und viele Kinder. Ali war direkt in seinem Element, sich mit den Kindern zu beschäftigen. Uns verstanden sie leider nicht.
Die Frau war derzeit im Krankenhaus, etwas mit dem Gehirn.
Es gab natürlich Essen, es musste auch jemand vorbei kommen um uns kennen zu lernen, wie immer halt.

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Am Morgen wurden wir um sechs geweckt und gebeten zu fahren. Später erfuhr ich von Ali, dass die Frau verstorben sei .

Das hat mich persönlich hart getroffen, da er drei Kinder hat. Allerdings wird ihn seine Familie auf jeden Fall unterstützen, darauf ist im Islam auf jeden Fall Verlass.

Shiraz kam näher, so auch der Verkehr. Kurz vor Shiraz schliefen wir noch in einem Park. Manchmal sitzt man auf einer Bank und hat keine fünf Minuten bis man angesprochen wird.

Jeder empfahl uns noch Perspolis, es liegt vor Shiraz und ist eine alte Ruinenstadt. Busse mit Touristen und Eintritt, Fotos und Gruppen von Ausländern aus wahrscheinlich der ganzen Welt. Aber mich hat der Komplex nicht wirklich umgehauen. Vielleicht lag es an dem Tourismus, vielleicht am Komplex selbst, ich weiß es nicht.

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Ali bei seiner Lieblingsbeschäftigung
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Mein Frühstück, Ash und heißes Brot
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In Shiraz suchten Wir uns ein billiges Hostel und verbrachten 2 Nächte dort. Unsere Visa konnten wir leider nicht um 30 Tage verlängern, da in dieser Provinz nur eine Verlängerung von 7 Tagen möglich ist. Somit blieb uns keine andere Wahl als unsere Räder stehen zu lassen, 9 Stunden mit dem Bus nach Bandar Abbas zu fahren, unsere Visa verlängern zu lassen und zurück nach Shiraz zu fahren. Von Shiraz an sich sahen wir wenig, da wieder überall diese Touristen und Eintritte waren. Ich fühlte mich einfach unwohl dort. Zudem bin ich und bestimmt auch Michael erschöpft von den Touristenorten.

Zu Shiraz selbst, sagte uns jeder: fahrt hin, lohnt sich! Ich sah aber nichts spezielles dort. Grab eines Poeten, Moscheen etc, so wie in fast jeder anderen Stadt.

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Hier unser einziges besuchtes Gebäude
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Dieses Foto war ein Glück, denn es sieht normalerweise so aus
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In Bandar Abbas 32 Grad, wow. Die Frauen sind hier zum Teil mehr verhüllt, aber nicht alle. Einige haben über der Nase und den Augen eine Maske. Ich hoffe, ich kann später noch Fotos davon machen.
Es gibt viel Fisch dort. Bei der Säuberung der Netze am Strassenrand fällt schon mal einer in den Graben am Bürgersteig. Das stinkt nach einiger Zeit erbärmlich. Einige Menschen sind dort dunkler, einige erinnern mich vom Stil und Typ her schon an Afrika.
An der Bushaltestelle wird man von vielen Leuten fast umzingelt: Taxi? Bus Shiraz?

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Visa wollten sie uns nicht verlängern, da wir noch 3 Tage Visa hatten. Michael und ich sind wütend aus dem Büro gegangen, da jegliches Einreden nichts brachte. Ich persönlich hasse jegliche Art von Bürokratie und so was ist zudem sehr touristenfreundlich. Als wir draußen standen, wurden wir nochmal ins Büro gerufen, Visa war plötzlich möglich. Dennoch, am besten am letzten möglichen Tag hin um zu verlängern. Es geht auch früher, aber es ist halt schwierig.
Nun hatten wir Visa, wir schwammen und tobten noch ein wenig im persischen Golf und Abends ging es 9 Stunden mit dem Bus zurück.

Noch mehr Fotos zu dem Kapitel: https://www.flickr.com/photos/lukas-adrian/sets/72157672151009857/

4 thoughts to “#20 – Iran, Steppe, Menschen und Touristen”

  1. …..ach, sehr schön zu lesen. Wie ich es lese wirst du nicht verhungern! Die Gastfreundlichkeit ist ja überwältigend so wie du sie beschreibst. Geht es ins Winterquartier in den Oman? Ich verfolge dich immer auf Google Mapps. Weiterhin viel Spaß und bleibt gesund.

    1. Hallo Renke!

      Verhungern wäre das schlimmste für mich.. Manchmal nehme Ich eine Dose Bobnen für Notfälle mit 😀
      Die Menschen sind unglaublich und wir genießen es. Nur manchmal brauchen wir auch ein wenig Abstand.
      Aktuell sind wir nun in Bandar Shiraf. Fast 30 Grad Wassertemperatur, dann heute Essen kostenlos, da ein Feiertag ist. Ich bin im Paradies!

      Gruß nach Ostfriesland!

  2. Hi Lukas, melde mich auch mal wieder, bin aber immer mit Spannung am Ball. Wir rüsten jetzt hier für den Winter, für Weihnachten und dann ist da noch so eine Feier vor Jahresende. Hier ist es jetzt aber richtig kalt. viele liebe Grüße, Vera

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